Adipositas

Epidemiologie (1):

Die Adipositas (Übergewichtserkrankung) stellt eine zunehmend bedrohliche Zivilisationskrankheit in allen entwickelten (Industrie-)Ländern dar. Weltweit ist eine Zunahme der Adipositas in einer Geschwindigkeit zu beobachten, die die WHO von einer Adipositasepidemie sprechen lässt (2).

Im Jahre 2005 waren 58% der erwachsenen Männer und 42% der erwachsenen Frauen in Deutschland übergewichtig. 14 % der Männer und 13% der Frauen waren adipös. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit hat im November 2016 eine Studie herausgegeben, mit dem Ergebnis, dass bereits jeder vierte Deutsche stark übergewichtig ist.

Übergewicht ist bereits bei jungen Erwachsenen weit verbreitet, die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter an. Bereits bei den 20-24jährigen sind 26% der Männer und 16% der Frauen übergewichtig. 65-69jährige Männer haben zu 74%, 70-74jährige Frauen zu 64% Übergewicht.

 

Ursachen:

  • Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • soziokulturelle Faktoren

Soziale Faktoren spielen eine Rolle bei der Verteilung: verheiratete und verwitwete Männer und Frauen sind häufiger übergewichtig als ledige. Ehemalige Raucher waren deutlich häufiger übergewichtig als aktive Raucher.

  • genetische Faktoren
  • psychiatrische Ursachen: Essstörung, Sucht
  • pränatale Faktoren: Diabetes der Mutter
  • Nahrungsqualität
  • Schlafgewohnheiten: ausreichend Schlaf schützt vor Adipositas
  • unerwünschte Arzneimittelwirkungen: Insulin, Betablocker, Antikonzeptiva, Antidepressiva, Neuroleptika, Steroide und andere

Sozialmedizinische Bedeutung:

Übergewicht prädestiniert zu anderen (Folge-)Erkrankungen: Diabetes mellitus, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Arteriosklerose, Gelenkverschleiß (Knie, Hüften, Sprunggelenke), pulmonale (Asthma, Schlafapnoe) und anderen. Folge sind Ausfallzeiten (AU, EU), Berentungen, Krankenhausaufenthalte.

Definition:

Übergewicht wird nach dem Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Der BMI errechnet sich aus Körpergewicht (kg) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (m²).

BMI Klassifikation
< 20 Untergewichtig
20 – 25 Normal
25 – 30 Übergewichtig
30 – 40 Adipös
40 > Sehr adipös

Diagnostik:

  1. Klinische Basisuntersuchung (Größe, Gewicht, BMI, körperliche Untersuchung)
  2. Ernährungstagebuch
  3. Zusatzdiagnostik je nach vermuteter Erkrankung:
    • Screening auf diabetische Stoffwechsellage (Nüchtern- und postprandialer BZ)
    • Hypertonie (Ruhe- und Belastungsblutdruck, Ergometrie)
    • Fettstoffwechselstörung (Lipidstatus)
    • Arteriosklerose (Doppler, Gehstrecke)
    • Arthrosen (Gelenk-Röntgenaufnahme)

Der Bauchumfang spielt auch prognostisch eine Rolle: ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen besteht für Frauen ab 80 bzw. 88 cm, für Männer ab 94 bzw. 102 cm, je nach Quelle.

 

Differentialdiagnostik:

Sekundäre Adipositasformen sind auszuschließen, beispielsweise im Rahmen endokrinologischer oder genetisch bedingter Krankheitsbilder (Hypothyreose, M. Cushing, Prader-Willi-Syndrom u.a.).

Therapie:

Die Therapie gestaltet sich schwierig und unbefriedigend.

Nur eine multimodale Therapie ist in der Lage, einen Teil der Übergewichtserkrankungen zu heilen oder zu bessern. Monokausale Ansätze sind grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, so auch alle Formen der alleinigen diätetischen Behandlung.

Literatur

  1. VersMed 58 (2006), 3: 125.
  2. WHO W. Obesity: Preventing and managing the Global Epidemic-Report of a WHO Consultation in Obesity 3.-5.6.1997, Geneva.