Chronische Lungenerkrankungen

Bezüglich ihrer Epidemiologie sind folgende chronische Lungenleiden von sozialmedizinisch herausragender Bedeutung:

  • COPD
  • Chronische nichtobstruktive Bronchitis
  • Lungenemphysem

1. COPD (chronic obstructive pulmonary disease):

Definition:

Lungenerkrankung, die durch eine progrediente Atemwegsobstruktion gekennzeichnet ist, die nicht vollständig reversible ist und gewöhnlich mit einer abnormen Reaktion der Lunge auf Luftschadstoffe einhergeht (PAUWELS et al. 2001).

Symptome:

  • Chronischer Husten
  • Auswurf
  • Atemnot

Befunde:

  • Obstruktion
  • Gasaustauschstörung
  • Oft Lungenemphysem

Differentialdiagnose:

  • Asthma bronchiale
  • Mukoviszidose
  • Bronchiektasen
  • Bronchiolitis u.a.

Epidemiologie:

Zur Zeit weltweit vierthäufigste Todesursache, bis 2020 wahrscheinlich dritthäufigste (Zunahme!). Keine sicheren Daten zur Mortalität und Prävalenz in Deutschland, man vermutet, dass eine Einschränkung der Lungenfunktion bei etwa 15% der Erwachsenen besteht (KONIETZKO 2000).

Etiologie:

Wichtigster Risikofaktor ist das (Zigaretten-)Rauchen. 80-90% der COPD sind dadurch verursacht. 15-50% aller Zigarettenraucher entwickeln eine COPD. Die Rolle des Passivrauchens ist noch nicht vollständig geklärt. Anzunehmen ist aber auch hier eine negative Beeinflussung.

Rauchverbote:

Die zur Zeit viel diskutierten Einschränkungen für Raucher können wir daher nur unterstützen. Sowohl für die Gefährdung der eigenen als auch der Gesundheit der Passivraucher ist ein umfassendes Rauchverbot sowohl in allen öffentlichen Räumen als auch in allen Gastronomiebetrieben anzustreben. Es spricht auch nichts dagegen, auf der Straße das Rauchen zu verbieten. Zigarettenwerbung sollte in allen Medien grundsätzlich verboten sein. Zigarettenautomaten sollten nur mit ec-Karte bedienbar sein. Die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes sind konsequent anzuwenden. In diesem Zusammenhang ist die zögerliche Haltung vieler Politiker zu kritisieren, was die Einführung flächendeckender Rauchverbote betrifft.

Pathogenese:

  • Umbauprozesse der Atemwege
  • Schleimhypersekretion
  • Obstruktion
  • Entzündung
  • Hyperreagibilität
  • Fixierte Obstruktion

Verlauf:
Chronisch-progredient, zunehmende Beeinträchtigung der Lebensqualität. Infekte führen zu Verschlechterung.

Einteilung in Schweregrade:

0 1 2 3 4
Risikogruppe Leicht Mittel Schwer Sehr Schwer
Normale Spirometrie FEV1/VC < 70%
FEV1 >80% Soll
FEV1/VC < 70%
FEV1 50-80% Soll
FEV1/VC < 70%
FEV1 30-50% Soll
FEV1/VC < 70%
FEV1 < 30% Soll
PaO2 unter 60 mmHg
PaCO2 über 50 mmHg (evtl.)
Husten Husten Husten Husten Cor pulmonale
Auswurf Auswurf Auswurf Auswurf Rechtsherz- insuffizienz
Raucher   Belastungsdyspnoe Belastungsdyspnoe Ödeme
Ruhedyspnoe

Diagnostik:

  • Anamnese
  • Klinische Untersuchung
  • 6-Minuten-Gehstrecke (als prognostischer Hinweis für die Progredienz)
  • Röntgen-Torax
  • Spirometrie (VC, FEV1, Atemwegswiderstand, Reversibilität der Obstruktion)
  • Ggf. Bodyplethysmografie (ITGV, RV)
  • Ergometrie (als Leistungsdiagnostik)
  • Blutgasanalyse (pO2, pCO2)

Bedeutung für die Arbeitsunfähigkeit:
Es werden etwa 25 Millionen Tage der AU für Deutschland pro Jahr auf Grund chronischer Bronchitiden geschätzt (KONIETZKO 2000). Von den Gesamtkosten in Höhe von etwa 5,93 Mrd. Euro entfallen 46% auf die Arbeitsunfähigkeit.

In den kommenden Jahren werden sowohl Kosten als auch AU-Zeiten auf Grund der COPD weiter ansteigen.

Literatur:

  1. Groneberg, D.: COPDF – die chronisch obstruktive Lungenerkrankung und ihre Auswirkungen auf den Organismus. VersMed 58 (2006): 116ff.

2. chronische nichtobstruktive Bronchitis:

Definition (WHO):

Husten und Auswurf an mehr als 3 Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren (auch „simple chronic bronchitis“)

Symptome:

  • chronischer Husten
  • Auswurf

Befunde:

  • Trockene Rasselgeräusche bei der Auskultation (Brummen, Giemen, Pfeifen)
  • Verschärftes Atemgeräusch

3. Lungenemphysem:

Definition:

Irreversible Erweiterung der Atemwege distal der Bronchioli terminales

Symptome:

  • Progrediente (Belastungs-)luftnot
  • Vermehrte Atemarbeit
  • Im Spätstadium Zyanose (blue bloater), oft auch Rötung des Gesichts (pink puffer)

Befunde:

  • Abgeschwächtes Atemgeräusch
  • Hypersonorer Klopfschall
  • Vermehrte Strahlentransparenz (Röntgen-Thorax) und Horizontalstellung der Rippen
  • Vermehrtes intrathorakales Gasvolumen (ITGV) und Residualvolumen (RV)
  • Faßthorax